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Sanne Klit: Ersatzteile sind kein Nebengeschäft für Maschinenbauer (Teil 1)

(Teil 1 unserer Serie mit Sanne Klit, Head of Parts Solutions & Warranty bei BEUMER)

Sobald eine kritische Anlage stillsteht, ändert sich die Atmosphäre in der Produktion schlagartig. Diese Stille ist teuer. Die Teams rotieren, der Puls steigt – und es zählt nur noch eine einzige Frage:

„Wie schnell bekommen wir das Ersatzteil?“

Für den Betreiber fühlt sich dieser Moment wie eine isolierte Krise an. Für den Maschinenbauer hingegen ist er der Höhepunkt einer Partnerschaft, die oft schon vor Jahrzehnten ihren Anfang nahm.

In unseren bisherigen Interviewreihen haben wir die MRO-Welt (Maintenance, Repair, Operations) durch die Brille der Praktiker in der Werkhalle betrachtet. Wir haben mit Conrad Greer über den Verfall von Stammdaten gesprochen, mit Sanjib Das über Bestandsplanung nach Bauchgefühl und mit Andrew Jordan über das Schattendasein der Instandhaltung.

In dieser Serie wechseln wir die Perspektive und beleuchten das Ersatzteilmanagement aus einem oft unterschätzten Blickwinkel: dem des Maschinenbauers, der die Versorgungssicherheit erst ermöglicht.

Gemeinsam gehen wir vier Kernfragen auf den Grund:

  1. Die OEM-Realität: Warum Ersatzteile das Fundament für langfristiges Vertrauen sind.
  2. Das Planungs-Puzzle: Wie man Bestände für tausende individuelle Anlagen gleichzeitig steuert.
  3. Die Obsoleszenz-Falle: Warum Proaktivität in der Praxis schwieriger ist als auf der PowerPoint-Folie.
  4. Die Daten-Zukunft: Wie vernetzte Intelligenz die Ära der ständigen „Feuerwehreinsätze“ beenden könnte.

Unsere Expertin für diesen Deep Dive ist Sanne Egholm Klit, Head of Parts Solutions & Warranty bei BEUMER. Seit fast 15 Jahren im Unternehmen, hat sie Stationen im Customer Support, der Strategie und dem operativen Ersatzteilgeschäft durchlaufen. Heute verantwortet sie den Bereich, der sicherstellt, dass Kunden ihre Anlagen auch Jahrzehnte nach der Installation rentabel betreiben können. Eine Aufgabe, deren Tragweite weit über das Logistische hinausgeht.

Ersatzteile sind keine Nebenfunktion. Sie sind Strategie

In vielen Industrieunternehmen wird das Ersatzteilwesen noch als reine Logistikaufgabe abgestempelt. Dabei bildet es den Kern der Anlagenverfügbarkeit. Für Hersteller, die ihre Maschinen über den gesamten Lebenszyklus begleiten, ist das Ersatzteilmanagement eine strategische Kernkompetenz. Sanne Klit erklärt:

„Ersatzteile sind ein zentraler Pfeiler unserer Strategie. Wir sind in fast alle Unternehmensinitiativen eingebunden – von neuen Großprojekten bis zur Datenanalyse –, weil das Ersatzteilgeschäft nahezu jeden Bereich des Business tangiert.“

Diese Rolle spiegelt den Wandel der Industrie wider: Mit der Auslieferung einer Anlage endet die Kundenbeziehung nicht mehr – sie beginnt erst richtig. Bei BEUMER ist der Customer Support der Motor des Unternehmens, und die Ersatzteile sind der Treibstoff. Dieser Trend ist branchenweit spürbar: Laut der Boston Consulting Group erzielen Unternehmen, die massiv in Aftermarket-Services investieren, nicht nur eine stärkere Kundenbindung, sondern auch deutlich höhere Margen.

Erst Zuverlässigkeit, dann Tempo, dann der Preis

Sanne beobachtet einen deutlichen Paradigmenwechsel bei den Kundenanforderungen. Jahrelang war „Was kostet das?“ die alles entscheidende Frage. Heute hat sich die Prioritätenliste gedreht:

„Unsere Kunden sagen uns heute klar: Priorität Eins ist eine verlässliche Lieferzeit. Priorität Zwei ist eine kurze Lieferzeit. Und erst danach kommt ein fairer Preis.“

In der Hochleistungswelt der Flughafenlogistik ist ein „günstiges“ Lager, das drei Tage zu spät eintrifft, das teuerste Bauteil im ganzen Gebäude. Produktionsausfälle kosten Hersteller je nach Branche zwischen 10.000 € und 250.000 € pro Stunde (Quelle: Siemens). Wenn die Uhr so teuer tickt, sucht man kein Schnäppchen, sondern ein Versprechen, auf das man sich verlassen kann.

Lösungen wie SPARROW.Plan helfen Betreibern dabei, diese Planung zu strukturieren, indem sie historischen Bedarf und Expertenwissen in ein transparentes Framework gießen. Eine systematische Planung auf Betreiberseite ist dabei die beste Basis für eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Maschinenbauer. Denn für diesen bedeutet Verlässlichkeit weit mehr als ein gut geführtes Lager – es geht um Vorhersehbarkeit. Während Betreiber für ihre eigenen Standorte planen, muss das Team von Sanne den Bedarf über eine riesige, globale installierte Basis antizipieren.

Ein Versprechen über drei Jahrzehnte

Ein Maschinenbauer verkauft nicht bloß Stahl und Steuerungstechnik; er verkauft eine 30-jährige Verpflichtung. Das Team von Sanne betreut Anlagen, die seit 1988 im Einsatz sind.

Die damit verbundene Datenkomplexität ist gewaltig. Eine Maschine zu unterstützen, die vor der Ära des kommerziellen Internets gebaut wurde, erfordert eine Form von „Daten-Archäologie“, auf die viele Unternehmen nicht vorbereitet sind. Wie Conrad Greer in unserer Serie über Datenqualität betonte, sind fragmentierte Informationen der stille Killer der Zuverlässigkeit.

Für den Maschinenbauer ist die Aufbereitung dieser Daten kein administrativer Ballast, sondern Teil der Mission. Sanne bringt es auf den Punkt:

„Wenn unsere Leistung hier nachlässt, hat das sofortige Auswirkungen auf das Vertrauensverhältnis zum Kunden.“

Das Ersatzteilwesen ist somit der sichtbarste Beweis für die Partnerschaft zwischen Hersteller und Betreiber. Studien von Deloitte unterstreichen das: Aftermarket-Aktivitäten liefern oft zwei- bis dreimal höhere operative Margen als das Neugeschäft und sind der wichtigste Hebel für die Kundenbindung.

Ein gemeinsames Ziel: Den Stillstand besiegen

Ersatzteilmanagement ist keine Einbahnstraße. Es liegt genau an der Schnittstelle zwischen Betreiber und Hersteller. Während der Betreiber die Uptime maximieren und gleichzeitig das gebundene Kapital minimieren will, muss der Hersteller den Support über Generationen von Zulieferern und Technologien hinweg sicherstellen.

Die Brücke zwischen beiden Welten sind Daten.

Aktuell befinden sich viele Maschinenbauer noch in einem „doppelten Blindflug“: Sie bedienen Kunden, die ihren Bedarf von morgen oft selbst noch nicht kennen, und hängen gleichzeitig von Zulieferern mit eigenen, volatilen Lieferzeiten ab.

Wie plant man unter solchen Bedingungen? Wie stellt man sicher, dass ein Bauteil für einen Förderer von 1988 morgen versandbereit ist, ohne Millionen in totes Lagerkapital zu investieren?

In unserem nächsten Artikel tauchen wir tief in das „Planungs-Puzzle“ ein und analysieren die operative Realität hinter tausenden individuellen Systemen.

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